Freitag, 11. Juli 2014

5. Tag Frankfurt an der Oder




Hauptsache der Storch fühlt sich wohl





Wir sind jetzt in Brandenburg und die Landschaft verändert sich spürbar. Weite Felder, leicht hügelige Landschaft, saftigeres Grün als in Sachsen. Das kann aber auch am Regen liegen, der zum Glück vor allem nachts herunter kommt.


Na, endlich. Die Oder!
Wir erreichen die Stelle, wo die Neiße in die Oder mündet. Die Neiße, wir werden dieses kleine, nette, liebenswerte Flüsschen vermissen. Die Oder kommt als vergleichsweise gewaltiger Strom daher und man ahnt etwas von der zerstörerischen Kraft, die dieser Fluß entwickeln kann.


Wir freuen uns über das erreichen der Neißemündung 
und die an dieser Stelle befindliche DDR-Kneipe

An der Neißemündung sind wir gut 30 Kilometer geradelt, Zeit für eine Pause. Und siehe da, eine Kneipe mit kleinem Biergarten. Mit uns ist eine Familie mit Kind angekommen, die nach dem "Michael-Jackson-Spielplatz" suchen. Ersatzweise gäbe es diese Schaukel anzubieten. Wenn man hoch schaukelt, kann man die Oder sehen.


Eine der schönsten Kinderschaukeln an der Oder
Gutes Bier, freakiger Wirt, originelle Kneipe.


Eines der leckersten Biere in der ganzen DDR
"Kajüte" heißt dieses Kleinod und ist eine "Gast & Tanzwirtschaft". Man beachte den mediteranen Blumenschmuck. Das hat Weltniveau!


Und das ist sie, die Kneipe mit dem wirklich guten Bier, der tollen Kinderschaukel, dem kultverdächtigen DDR-Charme und der unvergleichlichen Lage: an der Neißemündung

Noch mal 20 Kilometer und wir erreichen Eisenhüttenstadt, eine auf dem Reißbrett geplante Stadt. Die Innenstadt wurde nach einem Architektenwettbewerb gestaltet und soll sehr sehenswert sein. Wir überlegen noch, ob wir sie besichtigen. Aber erst mal etwas essen. Unser Blick fällt auf eine Gaststätte mit Außenwirtschaft, "Bollwerk 4" im "Deutschen Haus" Wir setzen uns und erleben unser blaues Wunder. Ein perfektes Essen, toll anzuschauen, gute Weine (Vera: grünen Veltliner, Stefan: Zweigelt), sehr schmackhaft und ein wunderbarer Nachtisch.

Wir kommen ins Gespräch. Mit den Wirtsleuten, die beide Stewards auf der "Arkona" waren, einem Kreuzfahrtschiff der DDR (!), mit dem Nachbartisch, wo eine ältere Dame hört, dass wir uns erklären ließen, was "Würzfleisch" ist (eine Art  Ragout fin, aber mit Schwein oder Huhn). Sie setzt sich zu uns an den Tisch, stellt sich als Studienrätin vor und erklärt uns das Gericht und was an der Schulbildung der DDR besser war. Amüsant und unterhaltsam.

Wir wollen gerade weiterfahren, als ein Platzregen einsetzt. Die Gesellschaft verzieht sich in die Gaststätte. Wir trinken noch einen Kaffe (ausgezeichnet!), fangen an, Schnaps zu probieren und sind schließlich die letzten Gäste. Es wird etwas persönlicher. Die Wirtin erzählt über ihre Tochter, das Flüchtlingsheim in Eisenhüttenstadt, die Überalterung, das Verhältnis zu den Polen ... Sie verabschiedet uns mit Handschlag und wir fahren endlich weiter. Sehr satt und sehr zufrieden. Da waren wir nicht das letzte Mal. Und das nächste Mal schauen wir uns  dann die Planstadt an und das Museum für DDR-Alltagskultur.



Und so kann man in Eisenhüttenstadt essen


Da waren wir nicht das letzte Mal



Marillenknödel mit verschiedenen Soßen

Etwas angeschlagen von dem üppigen Mal und dem Alkohol fahren wir weiter. Wieder schlägt uns die Landschaft in ihen Bann. Zum Glück ist der Weg nicht schwer zu finden, man radelt, sinniert vor sich hin und ist einfach rundum zufrieden.


 
Das Mittagessen hat mich aus der Bahn geworfen. 
Das ist doch hier die Oder, oder?
(das mußte jetzt einfach mal sein)




Weiter geht`s nach Norden immer der Nase nach

Ab und zu gehen Schauer nieder und wir hören Donnergrollen. Aufmerksam beobachten wir die Wolken und den Wind. Kommt der Regen näher? Weht der Wind die Wolken weg?


Zwischendurch kleine Schauer, die wir an unseren Ponchos lässig abperlen lassen


Die Erfahrung lehrt: nach dem Regen ist vor dem Regen. Jedenfalls klare Luft.


Und so sieht es kurz vor Frankfurt aus
Wir erreichen schließlich Frankfurt. Überraschend steile Schußfahrt nach unten, auslaufen lassen und wir sind im Park. Da ist auch gleich unser Hotel, das City-Park Hotel. Dusche, etwas ausruhen und dann noch ein kleiner Abendimbiß. In der Innenstadt ist Kirmes und zwar richtig groß. Verschiedene Bühnen mit Musik (laut und gräßlich), viele Buden, Riesenrad, Essensstände. Wir finden noch einen Platz in einem Lokal an der Oder. Wunderbarer Blick auf den Fluß, aber im Schnittpunkt zweier Musikbühnen gelegen. So beobachten wir etwas das Treiben der Brandenburger und ziehen bald genervt von dem Lärm ab und
schreiben diesen Blog und
schlafen.

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